Aufzucht unserer Bengalkitten


Ist die Geburt gemeistert, stehen die nächsten Wochen der Kittenaufzucht bevor. Neugeborene Katzen wiegen in der Regel zwischen 60 und 100 Gramm. Auch hier kann es aber zu Abweichungen kommen: sowohl Kitten mit 50, als auch mit 160 Gramm sind möglich und können sich ganz normal entwickeln. Besonders bei sehr kleinen Kitten kann es nötig sein, am Anfang etwas zu unterstützen - zum Thema Hand- bzw. Teilhandaufzucht werde ich aber weiter unten noch einmal genauer kommen. 
Im Normalfall suchen die kleinen Kitten sofort nach der Geburt die Zitzen der Mutter auf und beginnen zu trinken. Dabei orientieren sie sich zunächst rein über ihren Geruchssinn, da sie blind und taub zur Welt kommen. Manchmal suchen Katzenmütter nach Beendigung der Geburt einen neuen Nestplatz auf - in der Natur dient das in erster Linie zum Schutz der Kitten, in Menschenobhut ist es natürlich nicht mehr nötig, sodass man, sollte die Katze ihre Kitten tatsächlich verschleppen, diese vorsichtig wieder in die saubere und warme Wurfkiste zurücktragen sollte. 
In traurigen Fällen kann es vorkommen, dass die Mutter eines ihrer Jungtiere separiert, sich von Anfang an nicht um es kümmert und auch mit viel Zuspruch keinerlei mütterliches Verhalten zeigt - in der Regel sind solche Jungtiere häufig nicht zu retten, denn die Katzenmutter sortiert instinktiv nicht überlebensfähige Kitten aus. Aber auch hier kann es sich lohnen in den ersten Tagen die Aufzucht zu übernehmen bzw. zu unterstützen, wenn man keine äußerlichen Fehlbildungen erkennen kann und das Kitten einen recht fitten Eindruck macht. Überlebt es die ersten Tage, hat keine nicht sichtbaren inneren Fehlbildungen und zeigt einen starken Überlebenswillen wird es meist wieder von der Mutter angenommen.

Entwicklungsphasen der Kitten

In der 1. Lebenswoche besteht der Tagesablauf der Kitten nur aus Trinken und Schlafen. Sie nehmen die wichtige Kolostralmilch auf, die das Immunsystem der Kitten aufbaut und stärkt. Ihre Augen und Ohren sind noch verschlossen, aber über den Geruch finden Sie immer wieder zu Ihren Geschwistern und zu ihrer Mutter zurück. Nach dem Trinken müssen sie außerdem durch die Katzenmutter zum Absetzen von Kot und Urin angeregt werden, da sie das selbst noch nicht können. Sie können zudem in den ersten zwei Wochen ihre Körpertemperatur noch nicht selbstständig regulieren, deshalb müssen sie von ihrer Mutter in der geschützten Wurfkiste gewärmt werden. In einen Teil der Wurfkiste legen wir deshalb immer ein Heizkissen - so können sich die Kitten selbst aussuchen, ob sie sich gerade aufwärmen oder lieber in einem etwas kühleren Bereich liegen wollen. Wie auch bei Menschenkinder gilt, schlafende Kitten nicht zu wecken, denn auch Katzenbabys wachsen während ihrer Schlafphasen, sodass sie am Ende der ersten Woche ihr Geburtsgewicht verdoppelt haben sollten.
Grundsätzlich kann man sagen, dass Kitten pro Tag etwa 10 Gramm zunehmen sollten. Diese Angabe ist natürlich nur ein circa Wert - es kann durchaus sein, dass sie an einem Tag mal 18 und am nächsten nur 6 Gramm zunehmen. Das ist alles kein Grund zur Sorge, solange ihr Gewicht nicht über mehrere Tage stagniert oder gar abnimmt. 

In der 2. Lebenswoche öffnet sich langsam die Augen und Ohren der Kleinen. Alle Katzenbabys kommen mit blauen Augen zur Welt - ihre tatsächliche Augenfarbe kommt erst später, mit etwa 12 Wochen, zum Vorschein. Sie können nun schon Geräusche wahrnehmen, aber noch nicht richtig zuordnen. Ab dem 7. Tag fangen sie an, ihre Körpertemperatur durch Zittern aufzuwärmen, sind aber immer noch auf die Wärme ihrer Mutter und der Wurfkiste angewiesen. Sie regen mittlerweile aktiv mit ihren Vorderfüßen den Milchfluss der Mutter an - man nennt dieses abwechselnde Massieren an der Zitze auch 'Treteln', welches häufig auch im Erwachsenenalter noch gezeigt wird, wenn sich die Katzen sehr wohl fühlen.

In der 3. Lebenswoche können sich die kleinen Kätzchen nun schon für kurze Zeit auf den Beinen halten, sind aber noch sehr wackelig und tollpatschig. Sie fangen an mit ihren Geschwistern und ihrer Mutter aktiv in Kontakt zu treten - bevor sie jedoch anfangen mit ihren Geschwistern zu spielen, entdecken sie zunächst sich selbst und beginnen sich langsam selbstständig zu putzen. Je größer die Kitten werden, desto mehr Milch muss die Katzenmutter produzieren, um ihren Durst zu stillen. Besonders in dieser Zeit sollte auf eine abwechslungsreiche Ernährung geachtet werden, die leicht verdauliche Eiweiße, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente enthält. Spezielle  "Kittenfuttermittel" decken diese in der Regel sehr gut ab und sollten sowohl der Katzenmutter, als auch später den Kitten gefüttert werden. In der 3. Woche sollte außerdem die erste Entwurmung stattfinden. Danach wird sie alle zwei Wochen wiederholt bis die Kleinen vollständig auf feste Nahrung umgestellt sind. 

Ab der 3. Wochen ist ein intensiver Kontakt zwischen Mensch und Tier besonders wichtig und entscheidend dafür, wie zutraulich sie später einmal werden.

In der 4. Lebenswoche können die Kitten schon fest auf den Beinen stehen, ihr Milchzahngebiss ist vollständig ausgebildet und sie nehmen spielerisch erste feste Nahrung auf. Hier sollte auch Kittenfutter zum Einsatz kommen - Nassfutter kann mit einer Gabel noch etwas kleiner gequetscht werden, Trockenfutter sollte anfangs noch mit Wasser eingeweicht werden, damit die Kleinen es besser aufnehmen können. Mögliche Gefahrenquellen sollten vorerst gesichert werden, damit sich die Kitten nicht verletzten. Da sie nun auch Harn und Kot selbstständig absetzen können, ist es unabdingbar Ihnen ein Kittenklo zur Verfügung zu stellen, damit sie stubenrein werden. Es sollte einen niedrigen Einstieg haben und mindestens zweimal täglich gereinigt werden, um zu verhindern, dass sich die Kleinen eventuell einen anderen Platz für ihr Geschäft suchen. 

In der 5. Lebenswoche säugt die Mutter ihre Jungen nur noch selten - sie müssen ihren Energiebedarf jetzt vermehrt über das Kittenfutter abdecken. Es ist ratsam, mehrmals täglich, kleinere Portionen zu füttern. Manchmal kann es während der Umstellung von Milch auf feste Nahrung auch zu Verdauungsstörungen kommen, deshalb ist es wichtig den Kotabsatz zu beobachten und immer genügend frisches Wasser bereit zu stellen, um einer Dehydrierung entgegen zu wirken. Es steht außerdem die zweite Entwurmung an. Die Kitten sollten ihren Erfahrungshorizont von nun an stetig erweitern, das heißt, neben der Entwicklung ihrer motorischen Fähigkeiten, sollten sie vor allem auch an Alltagsgeräusche und -Gegenstände gewöhnt werden und weiterhin ihr Vertrauen bzw. die Bindung zum Menschen stärken.

In der 6. Lebenswoche stecken die Kitten mitten in ihrer ersten Sozialisierungsphase. Auch hier sollten ihnen möglichst viele Möglichkeiten gegeben werden, unterschiedliche Erfahrungen zu sammeln, um sie möglichst gut auf alle, in ihrem Erwachsenenalter auf sie wartenden, Situationen vorzubereiten. Es ist außerdem sehr wichtig, ihnen in dieser Zeit abwechslungsreiches Futter zur Verfügung zu stellen, damit sie keine Vorliebe für eine einzige bestimmte Sorte entwickeln. Spielerisch sollte in diesem Alter auch schon ein Tierarztbesuch geübt werden, um so den tatsächlichen Gang zum Tierarzt beispielsweise in der 8. Lebenswoche zur ersten Grundimmunisierung zu erleichtern.
In der 7. Lebenswoche steht die dritte Entwurmung an - diese ist besonders wichtig, damit die Kitten zur Grundimmunisierung wurmfrei sind und mit einem unbelasteten Immunsystem diese erste Impfung antreten können. Das Spiel mit ihren Geschwistern und auch zunehmend mit den unterschiedlichsten Spielzeugen nimmt weiter zu und hilft den Kitten dabei, ihre Bewegungsabläufe und ihr Koordinationsvermögen zu verbessern.
In der 8. Lebenswoche sind die Kätzchen in der Regel soweit von der Mutter entwöhnt und lernen in den darauffolgenden Wochen in der Katzenfamilie noch viele Dinge, die zum Katzenleben dazugehören. Es steht die erste Grundimmunisierung an, die einer Auffrischung nach vier Wochen für einen vollständigen Impfschutz bedarf. Die Kitten werden dabei gegen Katzenschnupfen und Katzenseuche mittels eines Kombinationsimpfstoffes geimpft und vom Tierarzt auf ihren allgemeinen Gesundheitszustand untersucht. In dieser Zeit sollte weiterhin auf hochwertiges Kittenfutter geachtet werden, da beispielsweise durch Kalzium- oder Eiweismangel Knochenfehlbildungen oder spätere Seh- und Herzfehler begünstigt werden können.


Ab der 9. Lebenswoche bis zur 11. Lebenswoche festigen die Kleinen ihren Charakter und können die Körpersignale ihrer Geschwister und Katzenmutter zweifellos deuten - sie wissen genau, wann sie zum Spielen aufgefordert werden oder wann sie über die Stränge schlagen. Sie werden insgesamt viel agiler und erweitern ihren Aktionsradius enorm. Die Neugier und der Entdeckergeist können aber nicht nur positive Auswirkungen haben...Gefahrenquellen wie zum Beispiel giftige Zimmerpflanzen oder scharfe bzw. spitze Gegenstände sollten vorsorglich entfernt werden. Auch in dieser Wachstumsphase sollte darauf geachtet werden, den Kitten lebensnotwendiges Taurin und Arginin, sowie Vitamin A und essentielle Fettsäuren zuzuführen - in der Regel erfolgt dies aber in ausreichender Form über das Kittenfutter. Kurz vorm Auszug stellt sich häufig auch die Frage, ob einzel oder paarweise Haltung. Grundsätzlich ist es für eine Katze immer schöner, einen tierischen Spielgefährten an der Seite zu haben. Können Geschwister gemeinsam ausziehen, fühlen sie sich im neuen Zuhause außerdem schneller heimisch - die Bindung zum Menschen entwickelt sich dabei genauso stark, wie bei der Haltung einer einzelnen Katze. 
Ab der 12. Lebenswoche sind die Kleinen schließlich bereit, in ihr neues Zuhause zu ziehen. Zuvor werden sie ein letztes Mal dem Tierarzt vorgeführt - dieser überzeugt sich nicht nur von ihrem Gesundheitszustand, sondern gibt ihnen die 2. Auffrischungsimpfung gegen Katzenschnupfen und Katzenseuche und setzt einen Mikrochip. Der Mikrochip enthält eine einzigartige Kennnummer, mit der man eine Katze jederzeit identifizieren kann. Zu diesem Zeitpunkt wäre es auch möglich, die Katze zusätzlich gegen Tollwut zu impfen. Mit der 12. Woche wiegen die kleinen Kätzchen schließlich etwa 1200g - je nach Rasse und Geschlecht kann es natürlich auch mal etwas mehr sein. 
Im neuen Zuhause sollte nun schon alles bereit stehen, damit die Eingewöhnungsphase des neuen tierischen Mitbewohners möglichst schonend verläuft. Zur Erstausstattung gehören neben einem stabilen Kratzbaum in jedem Fall ein Futter- und Wassernapf, eine Katzentoilette, ein kuscheliger Schlafplätze und verschiedene Spielsachen. In den ersten Wochen sollte in jedem Fall das gewohnte Futter zur Verfügung gestellt werden - häufig kann es durch die Umstellung auf eine neue Umgebung und die Trennung von der Katzenfamilie zu Stress und damit verbundenen Durchfall kommen, der sich aber in der Regel schnell wieder legt. Anfangs sollte der Bewegungsradius im neuen Heim auch etwas eingeschränkt werden, sodass der Katze die Orientierung erleichtert wird indem sie zunächst Futter-, Wassernapf, Schlafplatz und Katzentoilette in unmittelbarer Umgebung hat. Nun liegt es in den Händen der neuen Katzeneltern ihrem neuen Familienmitglied ein glückliches und langes Katzenleben zu bereiten...

Aufzuchtsprotokoll am Beispiel unsers A - Wurfes:

Aufzuchts- und Gewichtskontrolle sind in den ersten Wochen sehr wichtig. Sie helfen uns, den Gesundheitszustand eines Kitten besser einzuschätzen und beispielsweise auf eine zu geringe Gewichtszunahme schnell reagieren zu können. Im Aufzuchtsprotokoll werden außerdem alle Wurmkuren, Impfungen und andere Besonderheiten vermerkt.